Bürgerinitiative für Frieden in der Ukraine

Wir sind eine Gruppe von neun Privatpersonen unterschiedlicher Nationalitäten (Ukrainer, Russen, Tschetschenen, Griechen und Deutsche), die mit Familien und Freunden sowohl in der Ukraine als auch Russland in Verbindung stehen. Wir betreuen diese Seite in unserer Freizeit und geben durch die Beiträge unsere persönliche Sichtweise der Dinge wieder.

Rückblende: Junge Welt vom 10./11.06.1989

Ein Kommentar

Warum diese Seite der Wochenendausgabe der  Jungen Welt vom 10./11.Juni 1989 aufbewahrt wurde, zeigt sich, wenn man die Texte auf Vor- und Rückseite liest.

Hier befassen wir uns mit der Vorderseite (Seite 3 der JW):

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Diese Seite und er dazugehörende Text sind ein weiterer Beleg dafür, dass die Ereignisse auf dem Maidan 2013/14 und die dazugehörende Berichterstattung westlicher Medien einem mehrfach erprobten Muster folgten. 1989 ist der Putsch in Peking gescheitert, 2014 in Kiew war er erfolgreich.

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Brian Becker von Liberation hat das in seinem Artikel „Tiananmen: The Massacre that Wasn’t“ vom 13. Juni 2014 bereits dargelegt.  https://www.liberationnews.org/tiananmen-the-massacre-that-wasnt/

Eine Übersetzung des Textes von Hartmut Beyerl: http://hinter-der-fichte.blogspot.de/2014/10/es-gab-kein-massaker-auf-dem-tiananmen.html

Tiananmen: Das Massaker das es nicht gab

Heute vor 25 Jahren gerieten die US-Medien gemeinsam mit Präsident Bush und dem USA-Kongress in hysterische Angriffslaune gegen die chinesische Regierung wegen eines – wie sie es nannten – „kaltblütigen Massakers an vielen Tausend gewaltlosen ‚pro-demokratischen‘ Studenten“, die den Tiananmen-Platz in Peking seit sieben Wochen besetzt hielten.
Die künstliche Hysterie basierte auf erfundenen Erzählungen über das was wirklich passierte als die Regierung am 4. Juni 1989 den Tiananmen-Platz räumte.

Die Dämonisierung Chinas war hocheffektiv. Fast alle Bereiche der US-Gesellschaft, inklusive der „linken“, akzeptierten die imperialistische Interpretation dessen was angeblich passiert war.
Die Darstellungen der chinesischen Regierung wurden als Propaganda (obwohl sich deren Richtigkeit später herausstellte) abgetan. China berichtete, dass mehr als 300 Menschen am 4. Juni ums Leben kamen; viele der Toten waren Soldaten der Volksarmee Chinas. China bestand darauf, dass es kein Massaker an Studenten am Tiananmen-Platz gegeben hatte und in der Tat räumten die Soldaten den Platz ohne zu schießen. i

Die chinesische Regierung erklärte auch, dass unbewaffnete Soldaten, die den Tiananmen-Platz in den zwei Tagen vor dem 4. Juni betraten, angezündet und gelyncht wurden. Ihre Leichen wurden an Busse gehängt.  Andere Soldaten verbrannten als Armeefahrzeuge in Brand gesetzt wurden und sie nicht entkommen konnten; viele andere wurden vom gewalttätigen Mob niederschlagen.

Diese Berichte stimmten und waren gut dokumentiert. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen wie gewalttätig Pentagon und US-Polizeikräfte reagiert hätten, wenn die Occupy-Bewegung zum Beispiel in ähnlicher Weise Soldaten und Polizisten abgefackelt, deren Waffen genommen und gelyncht hätte, wenn die Regierung versuchte, sie von einem öffentlichem Platz zu räumen.
In einem Artikel vom 5. Juni 1989 beschreibt die Washington Post wie Anti-Regierungs-Kräfte in Formationen von 100 bis 150 Leuten gegen die Volksarmee – die in den Tagen vor dem 4. Juni noch unbewaffnet – war aufgestellt wurden. Sie waren mit Molotow-Cocktails und Eisenstangen bewaffnet. (Kommt Ihnen das auch bekannt vor?)
Was in China passierte und am 4. Juni 1989 die Leben von Regierungsopponenten und Soldaten kostete, war kein Massaker an friedlichen Studenten, sondern ein Kampf zwischen Soldaten und bewaffneten Abteilungen der sogenannten „Demokratiebewegung“.
„Auf einer Allee im Westen Pekings zündeten Demonstranten einen ganzen Militärkonvoi mit mehr als 100 Lkw und gepanzerten Fahrzeugen an. Luftaufnahmen der Feuer und Rauchsäulen haben die Argumentation der Regierung  untermauert, dass die Soldaten Opfer und nicht Täter waren. Andere Szenen zeigen die Leichen von Soldaten und wie Demonstranten den Soldaten, die keinen Widerstand leisten, die Waffen abnehmen.“ gibt die Washington Post am 12. Juni zu; in einer der Opposition positiv gesonnenen Story.  ii
Das „Wall Street Journal“ diente als führende antikommunistische Stimme, als lautstarke Stimmungsmacher für die „Pro-Demokraten“. Doch ihre Berichte nach dem 4. Juni erkannten an, dass “radikalisierte Demonstranten, einige nun bewaffnet mit eroberten Schusswaffen und Fahrzeugen“ sich auf größere bewaffnete Kämpfe vorbereiteten. Der Wall Street Journal-Bericht zeigt anschaulich die Vorkommnisse vom 4. Juni: „Als Kolonnen von Panzern und Tausenden Soldaten sich dem Tiananmen näherten, trafen sie auf einen wütenden Mob.  Dutzende Soldaten wurden von den Fahrzeugen gezerrt, zusammengeschlagen und dem Tod überlassen. An einer Kreuzung westlich des Platzes wurde die Leiche eines jungen Soldaten, der zu Tode geschlagen wurde, nackt an der Seite eines Busses aufgehängt. Eine andere Leiche eines Soldaten wurde an einer Kreuzung östlich des Platzes aufgehängt.“ iii 

Das Massaker das keins war

In den Tagen unmittelbar nach dem 4. Juni 1989 sprach die New York Times in Schlagzeilen, Artikeln und Kommentaren von „Tausenden“ friedlicher Aktivisten, die massakriert worden seien, als die Armee Panzer und Soldaten auf den Platz schickte. Die Zahl der geschätzten Toten gab sie mit 2.600 an. Das war die gebräuchliche Zahl über die angeblich auf dem Tiananmen niedergemähten studentischen Demonstranten. Fast jedes US-Medium berichtete von „vielen Tausend“ Getöteten. Viele Medienhäuser sprachen sogar von um die 8.000 Niedergemetzelten. Tim Russert, NBC’s Washingtoner Büroleiter, sagte “Zehntausende” seien am Tiananmen gestorben. iv

 

Die herbeifantasierte Version des „Massakers“ wurde später in geringem Maße von westlichen Reportern korrigiert, die an der fabrizierten Version Anteil hatten und später sagen wollten, dass sie „Korrekturen“ gemacht hätten. Doch da war es zu spät und sie wussten das auch. Die öffentliche Wahrnehmung war bereits geprägt. Das gefälschte Narrativ war bereits das dominierende. Sie hatten erfolgreich die Fakten so weit massakriert, dass sie in die politischen Erfordernisse der US-Regierung passten.

 

„Die meisten der Hunderten ausländischen Journalisten jener Nacht, mich eingeschlossen, waren in anderen Teilen der Stadt oder waren vom Platz abgezogen, sodass sie gar nicht Zeuge des Schlusskapitels der „Studentenstory“ waren. Jene die versuchten dabei zu bleiben, verfassten dramatische Berichte, die in manchen Fällen die Story vom Studentenmassaker untermauerten.“ schrieb Jay Mathews, der erste Büroleiter der Washington Post in Peking, 1998 in einem Artikel in der „Columbia Journalism Review“.

 

Mathews Artikel, der sein eigenes Bekenntnisse enthält, die Terminologie vom „Tiananmen Massaker“ benutzt zu haben, kam neun Jahre danach und er erkannte an, dass die späteren Berichtigungen nur geringen Einfluss hatten. „Die Fakten über den Tiananmen waren lange Zeit schon bekannt. Als Clinton den Platz im Juni besuchte, erklärten Washington Post und New York Times, dass niemand dort 1989 während der Räumung starb. Doch das waren kurze Erklärungen am Ende langer Artikel. Ich bezweifele, dass die den Mythos wirklich töteten.“ v

Alle Berichte über das Massaker an Studenten sagten im Grunde dasselbe und deshalb schien es so als ob sie alle wahr wären. Aber die Berichte basierten nicht auf Augenzeugenberichten. 

Was wirklich passierte

Die sieben Wochen vor dem 4. Juni verhielt sich die chinesische Regierung außerordentlich zurückhaltend, keine Konfrontation mit jenen suchend, die den zentralen Bereich der chinesischen Hauptstadt lahmlegten. Der Premierminister traf sich direkt mit den Führern der Demonstranten und das Treffen wurde im nationalen Fernsehen übertragen. Doch das löste nicht die Situation, sondern ermutigte die Protestanführer nur, die sich der vollen Unterstützung der USA sicher waren.

 

Sie errichteten eine riesige Statue – ähnlich der Freiheitsstatue der USA – in der Mitte des Tiananmen-Platzes. Sie signalisierten so der ganzen Welt, dass sie mit den kapitalistischen Ländern sympathisierten und im Besonderen den USA. Sie erklärten, sie würden die Proteste so lange fortsetzen bis die Regierung gestürzt sei. Da kein Ende abzusehen war, entschied die chinesische Führung, die Proteste durch Räumung des Tiananmen zu beenden. Sicherheitskräfte kamen – ohne Waffen – am 2. Juni auf den Platz und viele der Soldaten wurden geschlagen, einige getötet; Armeefahrzeuge angesteckt.

 

Am 4. Juni kam die Volksbefreiungsarmee mit Waffen wieder. Laut US-Medienkonzernen war das der Moment, wo angeblich mit Maschinengewehren bewaffnete Soldaten friedliche Studenten niedermähten und so Tausende massakriert hätten. China sagte, Berichte vom „Massaker“ wären von den Westmedien und den Anführern der Demonstranten erfunden worden, die eine willige Westjournaille als Plattform für eine internationale Propaganda-Kampagne in ihrem Interesse nutzten.

 

Am 12. Juni 1989, acht Tage nach der Konfrontation, publizierte die New York Times den „Tiananmen-Massaker“ einen „umfassenden“, doch in Wirklichkeit völlig erfundenen Augenzeugenbericht eines Studenten, Wen Wei Po. (Anmerkung: Gemeint ist offenbar ein „Bericht“ eines „Studenten“ in der Zeitung Wen Wei Po der durch NYT verbreitet wurde. HB) Er war voller detaillierter Angaben über Brutalität, Massenmord und heldenhafte Straßenkämpfe. Es erzählte von Maschinengewehrschützen der Armee auf dem Dach des Revolutionsmuseums über dem Tiananmen-Platz und von Studenten die auf dem Platz niedergemäht worden seien. Der Bericht wurde durch Medien quer durch die USA verbreitet. vi Obwohl als Evangelium und unwiderlegbarer Beweis dafür behandelt, dass China lügt, war der „Augenzeugen“-Bericht von Wen Wei Po so übertrieben und würde so wohl die New York Times in China diskreditieren, dass der Times-Korrespondent in Peking, Nicholas Kristof, der den Demonstranten als Sprachrohr diente, an den Hauptpunkten des Artikels Anstoß nahm.

 

Kristof schrieb in einem Artikel am 13. Juni 1989: „Die Frage wo die Gefechte sich ereigneten, ist signifikant, da die Regierung behauptet, dass niemand auf dem Tiananmen-Platz erschossen wurde. Das Staatsfernsehen hat als Beweis, dass sie nicht niedergemetzelt wurden, sogar Filmaufnahmen der Studenten gezeigt, die kurz nach der Morgendämmerung friedlich vom Platz marschieren.“… „Die zentrale Szene in dem (‚Augenzeugen‘) Artikel ist die von Soldaten die unbewaffnete Studenten niederschlagen und mit Maschinengewehren auf Studenten schießen, die sich um das ‚Monument der Volkshelden‘ versammelt haben. Mehrere andere Zeugen, chinesische und ausländische, sagen das sei nicht passiert.“ schrieb Kristof.

 

Es gibt auch keine Beweise für Maschinengewehre auf dem Dach des historischen Museums, wie in Wen Wei Pos Artikel. Ein Reporter war direkt nördlich des Museums und sah keine Maschinengewehre dort. Andere Reporter und Zeugen in dem Bereich haben sie auch nicht gesehen. Das zentrale Thema des Artikels von Wen Wei Po war, dass Truppen dann Studenten im Bereich um das Monument zusammenschlugen und eine Linie von gepanzerten Fahrzeugen ihnen den Rückzugsweg abschnitt. Aber die Zeugen sagen, dass gepanzerte Fahrzeuge das Monument nicht umzingelten. Sie hielten sich am Nordende des Platzes auf. Soldaten hätten die Studenten am Monument nicht angegriffen. Verschiedene andere Reporter waren ebenfalls in jener Nacht in der Nähe des Monuments und von keinem ist bekannt, dass er von Angriffen auf Studenten um das Monument herum berichtet hätte.“ schreibt Kristof am 13. Juni in seinem Artikel. vii

Der Bericht der chinesischen Regierung bestätigt Straßenkämpfe und bewaffnete Zusammenstöße in nahegelegenen Vierteln. Sie sprechen von ungefähr 300 Toten in dieser Nacht, einschließlich vieler Soldaten, die durch Schüsse, Molotow-Cocktails und Schläge ums Leben kamen. Aber sie bestehen darauf, dass es kein Massaker gab. Auch Kristof sagt, es gab verschiedene Zusammenstöße auf den Straßen, doch er weist den „Augenzeugenbericht“ über ein Massaker an Studenten auf dem Tiananmenplatz zurück. „Stattdessen verhandelten die Studenten und ein Popsänger, Hou Dejian, mit den Truppen und beschlossen in der Morgendämmerung zwischen 5 und 6 Uhr abzuziehen. Die Studenten zogen geschlossen ab. Das chinesische Fernsehen hat Bilder gezeigt, wie die Studenten gehen und vom offensichtlich leeren Platz als die Soldaten aufziehen und die Studenten gehen.“ 

Versuchte Konterevolution in China

Tatsächlich war die US-Regierung aktiv in die Förderung der „pro-demokratischen“ Proteste verwickelt;  durch eine extensive, gut finanzierte, international koordinierte Propagandamaschinerie, die Gerüchte, Halbwahrheiten und Lügen hinauspumpte, vom Beginn der Proteste Mitte April 1989 an.

Das Ziel der US-Regierung war ein Regimewechsel in China; und die Kommunistische Partei Chinas zu stürzen, die führende Macht seit der Revolution von 1949. Da viele Aktivisten der heutigen Bewegung zur Zeit der Tiananmen-Geschehnisse 1989 noch gar nicht lebten oder kleine Kinder waren, ist das beste aktuelle Beispiel dafür, wie imperialistische Destabilisierung/Regimewechsel funktioniert, der jüngste Sturz der ukrainischen Regierung. Friedliche Proteste auf den Plätzen der Innenstadt bekommen internationale Unterstützung, Geld und Medienunterstützung von USA und Westmächten; sie kommen schließlich unter die Führung bewaffneter Gruppen, die vom Wall Street Journal, Fox News und anderen Medien als Freiheitskämpfer gelobt werden. Und schlussendlich wird die Regierung, die von der CIA als Ziel des Umsturzes ausgewählt ist, völlig dämonisiert, falls sie Polizei oder Militärkräfte einsetzt.
Im Falle der „prodemokratischen“ Proteste in China 1989 versuchte die US-Regierung einen Bürgerkrieg auszulösen. Die „Stimme Amerikas“ verstärkte ihre Sendungen in chinesischer Sprache auf 11 Stunden pro Tag und zielte mit den Sendungen „direkt auf etwa 2.000 Satellitenschüsseln in China, meist betrieben von der Volksbefreiungsarmee viii

Die Sendungen der „Stimme Amerikas“ an die Einheiten der Volksbefreiungsarmee (PLA)  waren voller Meldungen, dass einige Einheiten der PLA auf andere schössen, andere Einheiten wieder seien auf Seiten der Demonstranten und andere auf der der Regierung. Die „Stimme Amerikas“ und US-Medien versuchten Verwirrung und Panik unter den Regierungsanhängern zu stiften. Grade vor dem 4. Juni berichteten sie, Chinas Ministerpräsident Li Peng sei erschossen und Deng Xiaping sei dem Tode nahe.
Die meisten in der US-Regierung und den Medien erwarteten den Sturz der chinesischen Regierung durch prowestliche politische Kräfte, so wie eben gerade (1988 – 1991) der Zusammenbruch sozialistischer Regierungen in Ost- und Zentraleuropa – infolge der pro-kapitalistischen Reformen Gorbatschows in der Sowjetunion – stattfand.  In China wurde die „prodemokratische“ Protestbewegung von privilegierten, gut vernetzten Studenten von Elite-Universitäten geleitet, die ausdrücklich zum Ersatz des Sozialismus durch den Kapitalismus aufriefen. Die Führer waren insbesondere mit den USA verbunden. Natürlich waren Tausende andere Studenten auf den Plätzen dabei, weil mit der Regierung nicht zufrieden waren.

 

Aber die Führerschaft der Bewegung, die in Verbindung mit den Imperialisten stand, hatte einen ausdrücklichen Plan zum Sturz der Regierung. Chai Ling, die anerkannte Führerin der der Studenten, gab am Abend des 4. Juni westlichen Reportern ein Interview, in dem sie erklärte, das Ziel der der Führung sei, die Bevölkerung in einen Kampf zum Sturz der Kommunistischen Partei Chinas zu führen, der nur möglich wäre, wenn sie die Regierung zu gewaltsamen Angriffen auf die Demonstranten provozieren könnten. Das Interview wurde in dem Film “Gate of Heavenly Peace” (Tor des Himmlischen Friedens) gesendet. Chai Ling erklärte auch warum sie dem Fußvolk der Studenten die wirklichen Pläne der Führung nicht sagen konnten.

 

„Das Streben nach Reichtum ist ein Teil der Impulse für die Demokratie“, erklärte ein weiterer Top-Studentenführer, Wang Dan, in einem Interview mit der Washington Post im Jahr 1993, am vierten Jahrestag der Vorfälle. Wang Dan war vor und nach dem Tiananmen-Zwischenfall in allen US-Medien. Er war berühmt für seine Erklärungen, warum die elitären Studentenführer nicht wollten, dass chinesische Arbeiter zur Bewegung stießen. „Die Bewegung ist nicht bereit für die Beteiligung der Arbeiter, weil die Demokratie zuerst von den Studenten und Intellektuellen aufgenommen werden muss, bevor sie an andere verteilt werden kann.“ ix 

25 Jahre später – USA versuchen weiter Regimewechsel und Konterrevolution in China

Die Aktion der chinesischen Regierung, die sogenannte demokratische Bewegung 1989 zu zerstreuen, traf auf bittere Frustration im politischen Establishment der USA. Sie führten als erstes Wirtschaftssanktionen gegen China ein, aber die Wirkung war minimal. Und die Wall Street-Banken begriffen bald, dass US-Unternehmen und Banken die großen Verlierer in den 90ern sein würden, falls sie versuchten China komplett zu isolieren, gerade während China seinen gigantischen Arbeits- und Güter-Binnenmarkt für direkte Investitionen westlicher Unternehmen öffnete. Für die größten Banken und Unternehmen deren Profitraten Vorrang und die Washingtoner Politiker folgten in dieser Frage der Milliardärs-Klasse.

 

Aber die Konterevolution in China erhebt wieder ihr Haupt. Die nach dem Tode Maos eingeführten Reformen öffneten das Land für ausländische Investitionen. Diese strategische Entwicklung war kreiert  worden, um schnell das Erbe von Armut und Unterentwicklung durch den Import  ausländischer Technologie zu überwinden. Im Gegenzug ernteten die westlichen Unternehmen Megaprofite. Die Führung der Kommunistischen Partei nach Mao rechnete damit, diese Strategie würde China mittels des rapiden Technologietransfers aus der imperialistischen Welt nützen. Und in der Tat machte China große wirtschaftliche Fortschritte. Doch zur ökonomischen Entwicklung kommt: Es entwickelt sich auch eine größere Kapitalistenklasse innerhalb Chinas und ein beträchtlicher Teil dieser Klasse und seine Kinder sind umworben von allen Arten von Institutionen, finanziert von der US-Regierung, deren Finanzorganen und ihren akademischen Zentren. Auch die Kommunistische Partei ist geteilt in Pro-USA und pro-sozialistische Fraktionen und Tendenzen. Heute wendet die US-Regierung größeren militärischen Druck gegen China an denn je. Sie beschleunigt den Kampf gegen Chinas Aufstieg durch die Zementierung neuer militärischer und strategischer Allianzen mit anderen asiatischen Ländern. Sie hofft zudem, dass bei genügend Druck, einige in der chinesischen Führung die Oberhand gewinnen, die für die Preisgabe Nord-Koreas sind.

 

Falls die Konterrevolution in China Erfolg hätte, wären die Konsequenzen für das chinesische Volk und für China katastrophal. China würde höchstwahrscheinlich als Nation gespalten, so wie es mit der Sowjetunion geschah, als die Kommunistische Partei der Sowjetunion gestürzt wurde. Dasselbe Schicksal ereilte das frühere Jugoslawien. Konterrevolution und Zerstückelung würden China zurückschleudern. Es würde Chinas spektakulären friedlichen Aufstieg aus der Unterentwicklung Hemmschuhe anlegen. Seit Jahrzehnten gab es innerhalb der außenpolitischen Kreise der USA ernsthafte Diskussionen über die Zertrümmerung Chinas, die China als Nation schwächen und es den USA und Westmächten erlauben würde, sich die lukrativsten Teile zu schnappen. Das ist exakt das Szenario, das China in ein Jahrhundert der Demütigung warf, in dem westliche kapitalistische Mächten das Land beherrschten. x

 

Die chinesische Revolution ist durch viele Phasen gegangen, durch Siege, Rückzüge und Rückschläge. Seine Widersprüche sind ungezählt. Aber China steht immer noch. In der Konfrontation zwischen Weltimperialismus und Volksrepublik China sollten fortschrittliche Menschen wissen wo sie stehen – nicht an der Seitenlinie.

 

Quellen

 

i Jim Abrams, “Rival military units battle in Beijing,” Associated Press, June 6, 1989.

 

ii John Burgess, “Images Vilify Protesters; Chinese Launch Propaganda Campaign,” Washington Post, June 12, 1989

 

iii James P. Sterba, Adi Ignatius and Robert S. Greenberger, “Class Struggle: China’s Harsh Actions Threaten to Set Back 10-Year Reform Drive — Suspicions of Westernization Are Ascendant, and Army Has a Political Role Again — A Movement Unlikely to Die,” Wall Street Journal, June 5, 1989

 

iv Jay Mathews, “The Myth of Tiananmen and the Price of a Passive Press,” Columbia Journalism Review September/October 1998

 

v Mathews, ibid.

 

vi Wen Wei Po, “Turmoil in China; Student Tells the Tiananmen Story: And Then, ‘Machine Guns Erupted’” New York Times, June 12, 1989

 

vii Nicholas Kristof, “Turmoil in China; Tiananmen Crackdown: Student’s Account Questioned on Major Points,” New York Times, June 13, 1989

 

viii “Voice of America Beams TV Signals to China,” New York Times, June 9, 1989

 

ix Lena Sun, “A Radical Transformation 4 Years After Tiananmen,” Washington Post, June 6, 1993.

 

x “PSL Resolution: For the defense of China against counterrevolution, imperialist intervention and dismemberment,” China: Revolution and counterrevolution, PSL Publications, 2008. Read online at http://www.pslweb.org/liberationnews/pages/for-the-defense-of-china.html

Eine Anmerkung von Hartmut Beyerl: Jedem Menschenleben muss nicht nur eine Träne nachgeweint werden. Weiteres Blutvergießen muss und kann nur verhindert werden, wenn den Anstiftern – von Chile, von Vietnam, von Peking 1989, von 9/11, von Irak, von Afghanistan, von Jugoslawien, von Guantanamo, von Abu Ghraib, von Libyen, von Syrien, von Kiew, von Odessa, von Donezk, von Lugansk, von MH17, von Hongkong das Handwerk gelegt werden kann. Auch und besonders ihren Handlangern in Blockparteien, Konzern- und Staatsmedien.

PS. Ein Leser braucht noch weitere Beweise. Bitte hier ein interner Bericht der US-Botschaft, der die Richtigkeit der chinesischen Angaben bestätigt.

Weitere Berichte aus der US-Administration von 1989 sind hier zu finden.

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Autor: Bürgerinitiative für Frieden in der Ukraine

Wir sind eine Gruppe von neun Privatpersonen unterschiedlicher Nationalitäten (Ukrainer, Russen, Tschetschenen, Griechen und Deutsche), die mit Familien und Freunden sowohl in der Ukraine als auch Russland in Verbindung stehen. Wir betreuen diese Seite in unserer Freizeit und geben durch die Beiträge unsere persönliche Sichtweise der Dinge wieder.

Ein Kommentar zu “Rückblende: Junge Welt vom 10./11.06.1989

  1. Hat dies auf Miscelaneous rebloggt und kommentierte:
    „Die chinesische Revolution ist durch viele Phasen gegangen, durch Siege, Rückzüge und Rückschläge. Seine Widersprüche sind ungezählt. Aber China steht immer noch. In der Konfrontation zwischen Weltimperialismus und Volksrepublik China sollten fortschrittliche Menschen wissen wo sie stehen – nicht an der Seitenlinie.“

    Ein Herr Gorbatschow verurteilte lautstark das Vorgehen der Chinesischen Volksarmee und der chinesischen Regierung am Tianmen – und wurde dafür gelobt.

    Egon Krenz stellte sich solidarisch an die Seite der chinesischen Genossen – und wurde dafür geschmäht und verurteilt.

    „Wenn Deine Feinde Dich loben, hast Du was falsch gemacht.“

    Gefällt 1 Person

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